Weiche Ankunft
Die vampyroteuthische Kultur ist nicht dem Irrtum verfallen, Informationen unbelebten Gegenstaenden anzuvertrauen, wie etwa Steinen oder Papier. Vampyroteuthis infernalis richtet kodifizierte Farbsekretionen an seine Artgenossen und schleudert Sepiawolken in die Gegend, nistet Informationen unmittelbar in Gehirnen ein. Seine Kultur ist intersubjektiv und immateriell. Aber die Absicht all seiner Dialoge besteht darin, seine Artgenossen in die Irre zu fuehren. Vampyroteuthis luegt, will zu irrefuehrenden Schluessen anleiten, den anderen verschlingen, kurz: „Es handelt sich um eine Kultur der Kunst im weitesten Sinne des Wortes.“ Das erkannte ein bekannter Tiefenforscher bereits vor Jahren, als er Menschen dabei beobachtete, wie sie vampyroteuthische Strategien entwickelten, indem sie sich der Verarbeitung von Software zuwandten. „Soft“ verweist auf Weichtiere. Das menschliche Interesse an Objekten weicht dem an immateriellen Informationen. Unsere Chromatophora heissen Fernsehen, Video, Computermonitore. Wir werden zunehmend vampyroteuthischer, prophezeite besagter Tiefenforscher. Natuerlich, manche Biologen und Zoologen werden das wissen, existiert Vampyroteuthis infernalis, und zwar in den Tiefen der Ozeane. Er gehoert zum Stamm der Mollusca (Weichtiere) und 1 von 2